"Two weeks, in fuckin' Bruges. In a room like this? With you? No way!"
Da ich heute nichts besonderes vor hatte und morgen wohl den ganzen Nachmittag mit Klettern verbringen werde, hab ich beschlossen einfach mal gemütlich ins Kino zu gehen und zwar in einen Film den ich eigentlich schon in München sehen wollte:
In Bruges - [ imdb ]
(dt.: "Brügge sehen ... und sterben?")
Regie: Martin McDonagh ["Six Shooter"]
Zwei irische Auftragsmörder werden nach einem etwas missglückten Anschlag für zwei Wochen nach Brügge (in Belgien) verbannt um unter zu tauchen. Während Ken (Brendan Gleeson) die mittelalterliche Stadt ihrer Sehenswürdigkeiten wegen in vollen Zügen genießt, will Ray (Colin Farrell) unbedingt so schnell wie möglich wieder heim fahren ... bis er eine hübsche Belgierin kennen lernt. Doch dann holt Ray die Vergangenheit unerbittlich wieder ein.
Der zutiefst düstere Film beginnt zunächst mit einigen äußerst schwarzhumorigen One-Linern und baut eine lockere Stimmung auf die aber sehr bald unerbittlich zerstört wird. Nachdem der Zuschauer den Zwischenfall erfährt, der die beiden nach Brügge verschlagen hat, führt uns der Regisseur in einer gnadenlosen Spirale hinunter bis zum deprimierenden Ende. Und obwohl der nach wie vor eingestreute Humor den bedrückenden Grundtenor des Films nicht zu ändern vermag, ist man nach dem Abspann nicht etwa in schlechter Stimmung, im Gegenteil, man ist glücklich einen genauso cleveren wie kompromisslosen kleinen Film gesehen zu haben. Sogar von mir eher weniger geschätzte Schauspieler wie Colin Farrell, der sich seit einiger Zeit ("Miami Vice", "Cassandra's Dream") allerdings kontinuierlich steigert, konnte auf ganzer Linie überzeugen und liefert die bischer beste Performance seiner Karriere ab.
Der Handlung folgend nimmt auch die gezeigte Gewalt drastisch zu, drängt sich aber nie in den Vordergrund oder dient einem unnötigen Selbstzweck, sondern verleiht dem Geschehen eine unbequeme Realitätsnähe, die dem Zuschauer im Kontrast zum derben irischen Humor das Lachen im Hals stecken bleiben lässt.
Diese zum Einen erfrischend politisch unkorrekte und zugleich bitterböse kleine Filmperle kann ich nur jedem ans Herz legen ... ich kann mich auch spontan nicht erinnern wann ich zuletzt einen Film in diesem Stil gesehen habe.
9/10 von mir
"Maybe that's what hell is, an entire eternity spent in fucking Bruges."
