IMAX Review: "The Dark Knight"
Virales Marketing, der plötzliche Tod von Heath Ledger und wahnsinnig viel Vorschussloorbeeren haben den Film Aufmerksamkeit geschenkt wie kaum einem anderen in den letzten Jahren. Dafür legte er dann auch das beste Startwochenende aller Zeiten hin und wird bei IMDB sowie den Tomaten hochgejubelt.
Doch ist er wirklich der beste Film aller Zeiten? Nein, das bestimmt nicht. Aber mit Abstand der beste Superheldenfilm, wenn man ihn noch als solches bezeichnen will.
Da gut 20min des Films im IMAX-Format gedreht sind und ich hier in Toronto die Gelegenehit zu einem entsprechenden Kinobesuch habe, saß ich heute also im goßen IMAX-Saal vor der gigantischen Leinwand und erwartete gespannt Christopher Nolans neustes Werk. Doch zunächst wurde dem Publikum die Ton- und Bildgewalt des Kinos anhand des beeindruckenden "Watchmen"-Trailers zu Gemüte geführt.
Nach den Opening Credits öffnet sich die Leinwand zur vollen 1.44:1-IMAX-Pracht und der Film beginnt mit der vielleicht besten Bankraubszene seit "Heat" um den Charakter des Jokers einzuführen. Bereits hier wird klar dass es der Zuschauer nicht mit einem konventionellen Superheldenfilm im typischen Hollywoodstil zu tun hat.
Nach dem starken Auftakt nimmt sich der Film ein wenig Zeit für die Charaktere, bleibt dank ein paar flotten Sprüchen auch immer unterhaltsam, widmet sich dann aber zunehmend dem Joker, in dessen Rolle Ledger vollkommen aufgeht. Eher im Stile eines Crime-Thrillers gehalten wird die Atmosphäre mit jeder Minute düsterer und der Joker bedrohlicher. Ledger spielt den Rest des Casts mühelos an die Wand, die anderen Charaktere wirken wie Marionetten im tödlichen Spiel seines Bösewichts. Die Story ist komplexer als in diesem Genre üblich und wartet immer wieder mit Überraschungen auf, die das Bild des Jokers langsam vom geisteskranken Kriminellen zum Verbrechergenie wandeln, das dem vermeintlichen "Held" Batman immer einen Schritt voraus ist.
Der Film dreht sich immer weniger um Batman, der auch leider durchgehend etwas farblos wirkt, als vielmehr um seinen Gegenspieler und bietet Ledger damit eine Steilvorlage die dieser zur wohl besten Performance seiner leider viel zu jungen Karriere nutzt. Christian Bale enttäuschte ein wenig, hatte aber auch nicht allzuviele dialoglastige Szenen.
Batmans Handlungen werden zwar kritisch betrachtet und es werden immer wieder moralische Fragen aufgeworfen, der Film schafft es aber nie wirklich eine Charakterstudie zu sein, auch nicht über den Joker. Dafür geht Nolan immer noch zu viele Kompromisse zu Unterhaltungszwecken ein. Actionszenen sind in den zweieinhalb Stunden Laufzeit zwar nicht allzuviele vorhanden, doch das lässt den Film nie langatmig wirken. Lediglich die Einführung des schwierigen Charakters Two-Face, schockierend präsentiert und von Aaron Eckhart auch gewohnt gut verkörpert, wirkt etwas überhastet. Es bleibt gegen Ende des Films einfach nicht mehr genug Zeit näher auf ihn einzugehen und so wirkt die Wandlung Harvey Dents zu Two-Face, v.a. dessen Taten, auch etwas unglaubwürdig.
Letzten Endes ist, provokant formuliert, Batman selbst der limitierende Faktor des Films. In seiner Natur als "Beschützer" der Stadt wird er nie wirklich zum "Dark Knight", wird lediglich vom Joker zu unangnehmen Entscheidungen gezwungen. So wie Nolan den Film gemacht hat hätte er paradoxerweise auch gut ohne die Figur Batman funktionieren können, mit einem fähigen Polizisten als Gegenspieler zum Vebrechergenie, was wieder den oft gezogenen Vergleich mit "Heat" oder "The Departed" heraufbeschwört.
Trotzdem hat Christopher Nolan wieder einmal einen sehr guten Film abgeliefert, der den Vorgänger noch zu übertreffen vermag und sehr viel Lust auf Teil 3 macht. Hoffentlich wird dieser das Niveau auch halten können, im Gegensatz zu bisherigen Superhelden-Filmreihen. Auf jeden Fall aber hat sich Heath Ledger hiermit unsterblich gespielt und wird völlig zu Recht für einen posthumen Oscar gehandelt.
Wer Gelegenheit hat den Film in einem IMAX-Kino zu sehen, dem sei das wärmsten empfohlen, denn die riesige, gebogene Leinwand des IMAX versetzt einen mitten ins Geschehen und macht die Luftaufnahmen von Gotham und Hong Kong ungleich spektakulärer.
9,5 / 10 für den bisher besten Film des Jahres
(Na gut, der Vergleich mit "No Country For Old Men" und "There Will Be Blood" ist etwas schwierig aber zumindest sieht es nach einem wirklich starken Filmjahr 2008 aus!)
